PferdeReha Friesland Horsefriendship.de
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Das Clickertraining und was es (mir) bedeutet:

 

Ich arbeite nun schon seit fast 20 Jahren mit dem Clicker und bin nach wie vor begeistert von dieser Form des Trainings. Ich habe vor langer Zeit alle aversiven Trainingsmethoden aus meinen Konzepten gestrichen und fühle mich dadurch viel erfüllter. Man sieht den Pferden einfach den Spaß am Training an und das ist für mich sehr wichtig! Wenn ich Zeit mit meinem Tier verbringe möchte ich, dass auch mein Tier diese Zeit schätzt und genießt, dass es richtig Spaß hat – sogar wenn es mal anstrengend wird. Ich würde es schlimm finden, wenn mein Tier eine Pause als Lob verstehen müsste, denn das würde bedeuten, dass es erleichtert ist wenn das Training unterbrochen wird. Ich möchte glänzende Ponyaugen wenn ich auf den Hof komme. Ein Pferd was zum Zaun kommt wenn es mich sieht, weil es sich auf die Zeit mit mir freut. Ich möchte nicht, dass es erleichtert ist, wenn ich absattle oder wieder nach Hause gehe. Freundschaft ist keine Einbahnstraße! 

Ein Pferd welches macht was man ihm befiehlt, ist noch lange kein Freund. Erzwungener  Gehorsam hat nichts mit aufrichtigem Vertrauen zu tun, sondern mehr damit unangenehme Konsequenzen zu vermeiden. Beim Clickertraining bekomme ich ein Pferd, was mir jederzeit seine Sorgen mitteilen kann und mag und ich kann auf diese Sorgen eingehen und sie schrittweise in Sicherheit und Abenteuerlust verwandeln. Nicht von heute auf morgen, aber mit der Zeit!

Das Tier wird beim clickern nicht mit Strafe oder dem Aufbauen und Nachgeben von physischem oder psychischem Druck trainiert – wie in vielen konventionellen Trainingsmethoden üblich, sondern über Lob und der damit verbundenen Freude.

 

Der Clicker fungiert dabei als sogenanntes Markersignal und zeigt dem Tier den genauen Zeitpunkt an, zu dem es ein richtiges Verhalten gezeigt hat.. So wird das Training sehr präzise und effektiv.

 

Als Belohnung verwendet man Futter, oder auch mal eine ausgiebige Krauleinheit. Auf Strafe und  auf die Anwendung von Druck wird verzichtet. Wenn das Pferd zu einem Verhalten oder eine Aufgabe „Nein“ sagt, gehe ich davon aus, dass es einen guten Grund dafür hat. Diesen Grund muss ich herausfinden und berücksichtigen. Das ist meine Aufgabe als guter Trainer. Jedes Signal welches ich dem clickertrainierten Tier gebe, ist nicht als Befehl zu verstehen, sondern als Einladung etwas zu leisten und dafür eine Belohnung zu verdienen. Es wäre also für das Tier völlig unlogisch diese Einladung auszuschlagen, wenn es dafür keinen guten Grund hat der wichtiger ist, als sich die Ressource „Futter“ zu sichern.

Deswegen sprechen wir Clickertrainer auch nie von Befehlen oder Kommandos, sondern ausschließlich von Signalen.

 

Die Tiere können mit dem Clickertraining alles lernen was sie körperlich und geistig in der Lage sind zu tun – man hat unendliche Möglichkeiten. Da folgende 2 Fragen an dieser Stelle gerne kommen:

  1. Ja, auch ein futtergieriges Pferd kann geclickert werden – man muss ihm nur einige Umgangsformen beibringen und das Futterlob „entstressen“. Selbst das geschieht übrigens mittels Clickertraining und Futterlob ;-)
  2. Ja, auch reiten / geritten werden lässt sich mit dem Clicker trainieren.

Die Einsatzgebiete sind schier unendlich. Beispielhaft führe ich hier einige auf:

 

 

Training zum arbeiten mit Futterlob (Höflichkeit / Futtermanier)

Anreiten / Reiten

Grunderziehung

Anti-Stress Training

Zirkuslektionen

Verladetraining

Reha Übungen

Pferdegymnastik

True Horse Agility

Problemverhalten auflösen

Neue Verhaltensweisen etablieren

(…)

 

Das Clickertraining wird glücklicherweise immer populärer im Tier- vor allem aber auch im Pferdetraining. Man kann es als modernes Tiertraining bezeichnen, welches sich auf die Lerntheorie stützt. Kein Guru, keine Spiele, kein kompliziertes Muster, nur Wissenschaft. Dieser Fakt beinhaltet eine gute und eine schlechte Nachricht.

 

Die gute Nachricht: Jeder kann es lernen!!!

Die schlechte Nachricht: Man muss es lernen  ;-)

 

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Um die Lerntheorie zu verstehen und sie anwenden zu können, muss man sich mit ihr beschäftigen und sie lernen. Man muss lesen, recherchieren und man muss trainieren, also üben. Und man muss sein Tier beobachten und Anzeichen für Stress und Frustration erkennen können – denn auch Training mit Futterlob kann falsch angewandt Stress – Frustration und andere negative Emotionen hervorrufen. All diese Dinge sind jedoch kein Hexenwerk und jeder ist in der Lage es zu lernen. Und außerdem macht das Üben und Lernen auch jede Menge Spaß, ist also halb so wild und bei näherer Betrachtung auch gar keine soo schlechte Nachricht ;-)

 

Hat man die Lerngesetze erst verinnerlicht und kann Sie anwenden ist man jederzeit in der Lage sich und seinem Tier selbst zu helfen – welche Herausforderungen auch immer der Alltag bereit hält:

 

Augentropfen geben? Nach 5 Minuten kein Problem mehr.

Wurmkur verabreichen? Das Pferd wird sie freiwillig nehmen.

Anhänger fahren? Jederzeit gerne.

Das erste Mal aufsitzen? Auch nur eine weitere Aufgabe die stressfrei und motiviert vom Pferd absolviert wird

 

Nun habt Lust bekommen in die Welt des Clickertrainings einzutauchen?

Freut euch auf eine ganz andere Sichtweise auf euer Tier! Seid überrascht wie fein sie ganz ohne Zwang reagieren. Staunt über ihre kognitiven Fähigkeiten und ihre Intelligenz. Gewalt beginnt wo Wissen endet: Seid Stolz auf euer gewaltfreies Training. Macht es besser als der Rest. Bildet euch weiter als die Anderen. Findet eine einzigartige Bindung zu eurem Tier. So ging es mir als ich damals mit dem Clickern anfing. Es eröffneten sich Wege und Möglichkeiten die ich vorher nie für möglich gehalten hätte!

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Der Weg zum Pferd als Freund und Partner